Tiroler BäckerInnen

Angelika Haselwanter
27.01.2020

Bäcker im Fasnachtsfieber

In einigen Tiroler Bäckerbetrieben herrscht zurzeit Brezen-Hochsaison: Grund dafür sind die Fasnachten, die im Februar ganze Ortschaften in ihren Bann ziehen. Beim Telfer Schleicherlaufen (2.2.2020) werden rund 4.000 Stück weiße „Schleicherbrezen“ verteilt. Beim Imster Schemenlaufen (9.2.2020) benötigt man gleich 10.000 Stück der gewundenen Köstlichkeiten. In Axams verteilen die Kinder die sogenannten „Laniger-Brezen“. In den Bäckerbetrieben Waldhart (Telfs), Töpfer (Axams), Jonak und Perktold (Imst) laufen die Öfen heiß…

Telfer Schleicherlaufen am 2. Februar 2020

„Die Fasnacht isch frei“, erschallte der Ruf des Bürgermeisters am Dreikönigstag durch die Marktgemeinde Telfs. Mitten im Geschehen der Telfer Fasnacht ist Bäckermeister Sebastian Waldhart – in mehrfacher Hinsicht. Einerseits befindet sich seine Bäckerei mitten im Telfer Obermarkt, sozusagen im „Epizentrum“ des Schleicherlaufens. Andererseits ist er selbst begeisterter Fasnachtler und Mitglied der „Beasn Buam“. Wie alle der insgesamt 14 Gruppen werken sie mit Hochdruck an ihrem Wagen für den Festumzug und studieren satirische Texte ein, die das Geschehen der vergangenen Jahre aufs Korn nehmen.

„Dass meine Brezen so einen besonderen Status erleben, macht mich sehr stolz und entschädigt für die vielen Arbeitsstunden.“
(Sebastian Waldhart)

Großauftrag im Zeichen des Schleicherlaufens

Auch an Waldharts Arbeitsplatz dreht sich alles um die „fünfte Jahreszeit“. Rund 4.000 weiße Brezen formt er für das Schleicherlaufen. „Ich starte mit der Produktion exakt zwei Tage vor der Veranstaltung“, erklärt Waldhart. Aufgrund der großen Mengen geht es in dieser Zeit hoch her, an Schlaf ist kaum zu denken. Dass meine Brezen so einen besonderen Status erleben, macht mich sehr stolz und entschädigt für die vielen Arbeitsstunden“, erklärt der 29-jährige. Zum Einsatz kommen Waldharts Backwaren im Rahmen der Auftritte der Schleicher, der Kerngruppe der Telfer Fasnacht.

„Die Breze gilt als Symbol für Freundschaft, Zuneigung und Liebe“
(Schleicherobmann Hans Sterzinger)

Lautlose Schleicher und symbolträchtige Brezen

Mit ihren farbenprächtigen Hüten schreiten die in Samt und Seide gekleideten Gestalten würdevoll und vollkommen lautlos heran. Immer wieder überreichen die Schleicher dem Publikum eine weiße Breze, die sie auf einem Stock aufgefädelt mitführen. „Die Breze ist für uns ein Symbol für Freundschaft, Zuneigung und Liebe“, weiß Schleicherobmann Hans Sterzinger. Die Tradition besagt, dass die erste Breze an die Ehefrau oder Partnerin übergeben wird. Der Kreis schließt sich, wenn am Ende der Vorführungen an den sechs Spielstätten die letzte Breze am Grab nahestehender Verstorbener am Friedhof niedergelegt wird.

Programm Telfer Schleicherlaufen:
www.schleicherlaufen.at