Tiroler BäckerInnen

Angelika Haselwanter
27.02.2019

Bäckerei Waldhart: Vom Krapfen im Fasching bis zur Telfer Fasnacht

Der Faschingskrapfen gehört zur Fasnacht wie die rote Nase zum Clown. Das spürt auch der Telfer Bäckermeister Sebastian Waldhart. Ob verkleidet oder nicht: zahlreiche Feierlustige stehen bei ihm Schlange, um die süße Spezialität zu ergattern. Auch er selbst ist eingefleischter Fasnachtsfan: neben der Arbeit in seiner Bäckerei nimmt er aktiv am Telfer Schleicherlaufen teil und ist in den Jahren dazwischen mit seinem mobilen „Krapfen-Frittiergerät“ bei der Telfer Faschingsgaudi im Ortszentrum anzutreffen.

Das karnevaleske Treiben findet in diesen Tagen seinen Höhepunkt. Eine herausfordernde Zeit für den 28-jährigen Sebastian Waldhart von der gleichnamigen Bäckerei in Telfs beginnt. Der florierende Betrieb befindet sich seit 1852 in Familienhand. Sebastian übernimmt diesen als einer der jüngsten Bäckerei-Unternehmer Österreichs im Jahr 2012 von seinen Eltern Anton und Edith. „Ich freue mich, einem etablierten Betrieb vorzustehen und bin stolz auf unser starkes Team, dem auch meine Frau Simone und meine Eltern angehören. Neben unseren Groß- und Spezialbroten, dem Klein- und Feingebäck produzieren wir Kuchen, Zöpfe und Strudel. Auch unser Burger-Brot wird sehr geschätzt. Besonders rund um kirchliche Feiertage und spezielle Anlässe wie der Fasnacht helfen alle zusammen, damit wir unseren Kunden unser begehrtes Brauchtumsgebäck anbieten können“, erklärt Waldhart.

Klassischer Begleiter ausgelassener Feste

So wandern vom traditionellen Faschingsbeginn am 11.11. bis zum Faschingsdienstag (5. März 2019) rund 40.000 Krapfen über die Ladentheke, der zur Jahreszeit passend dekorierten drei Geschäftslokale in der Marktgemeinde. Aus Weizenmehl, Eiern, Butter, Zucker, Salz, Milch oder Wasser werden drei verschiedene Varianten (mit Marillen-, Nougat- oder Vanille-Füllung) des faustgroßen, mit Staubzucker gekrönten Siedegebäcks verkauft. „Als kleine Aufmerksamkeit für die zahlreichen Stammkunden gibt’s bei uns die ganze Saison bei fünf gekauften Krapfen einen gratis dazu“, informiert Waldhart. Eine ganz ähnliche Süßigkeit wie den Faschingskrapfen genossen übrigens bereits die alten Römer in rauen Mengen. Ihr österreichisches Debüt gaben die runden Gesellen zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Namensgebend zeigte sich die erfolgreiche Altwiener Hofratsköchin Cäcilie Krapf. Unter ihrem strengen Regiment entstand die heutige, aus uralten Rezepten abgewandelte, Version des damals wie heute so beliebten Faschingsgebäcks.

Bäcker mit Fasnachts-Ambitionen

Die fünfte Jahreszeit liegt Waldhart sowohl als Unternehmer als auch als Privatperson am Herzen. Gemeinsam mit seinem Bruder Thomas gehört er den „Beasn Buam“ an. Die Gruppe ist, wie 13 weitere Vereinigungen, Teil des Telfer Schleicherlaufens. Neben viel Organisatorischem und seinem Auftritt als „Beaser Bua“ flicht Waldhart gut 4.000 Stück „Schleicherbrezen“ für die Hauptprotagonisten des überregional bekannten Brauchtumsereignisses. „Die Breze spielt eine besondere Rolle beim mythisch anmutenden Kreistanz der Schleicher. Wir sind stolz darauf, das von uns in vielen Stunden Arbeit produzierte Gebäck, zu diesem tollen Anlass liefern zu dürfen“, erklärt Waldhart. Und auch in der Zeit zwischen der großen Telfer Fasnacht, die im Fünf-Jahres-Rhythmus stattfindet, darf gefeiert werden. Immer am Faschingsdienstag wird die Ortsdurchfahrt zur „Telfer Faschingsgaudi“ umfunktioniert.

Krapfen à la carte

Neben einigen Fasnachtsgruppen, die sich für Speis, Trank und Unterhaltung kümmern, mischt sich auch der junge Bäckermeister ins Geschehen. Zur Freude der Feierwütigen: mit einem eigens für „Außeneinsätze“ angeschafften mobilen Frittiergerät positioniert sich der Chef der Hausbäckerei Waldhart höchstpersönlich im Zentrum und kredenzt seine handgemachten Krapfen. Und das sozusagen à la carte. „Hungrige Faschingsnarren kommen zu mir an den Stand, wählen ihre bevorzugte Füllung und halten kurze Zeit später ihren frisch frittierten Krapfen in der Hand“, beschreibt der humorvolle Telfer sein Service. Der Liebe zur Telfer Fasnacht geschuldet, hat Sebastian Waldhart die flaumigen Spezialitäten übrigens kurzerhand in „Fasnachtskrapfen“ umgetauft.

Telfer Schleicherlaufen im Februar 2020

Gut 5.000 Stück bringt er allein am Faschingsdienstag an den Mann bzw. die Frau. Tendenz steigend. Denn schon im kommenden Jahr geht das Telfer Schleicherlaufen als mythisch-farbenfrohes Spektakel in die nächste Runde. Aus Sebastians Lächeln blitzt große Vorfreude. Denn am 2. Februar 2020 tauscht er den Bäckermantel wieder gegen die Kluft der „Beasn Buam“ und sorgt für die eine oder andere messerscharfe Pointe, wenn es lautstark heißt: „Die Fasnacht isch frei!“

Bäckerei Waldhart

Daten und Fakten

Name: Hausbäckerei Waldhart
Geschäftsführer: Sebastian Waldhart
Anzahl Mitarbeiter: 11
Filialen: 3

Bäckerei Waldhart (Zentrale)
Obermarktstraße 8
6410 Telfs
Tel.: +43 5262 62337
Öffnungszeiten: 06.00 – 12.00 Uhr, 14.00 – 18.00 Uhr


Bäckerei Waldhart
Saglstraße 20
6410 Telfs
Tel.: +43 5262 62337
Öffnungszeiten: 06.00 – 11.00 Uhr

Bäckerei Waldhart 
Niedere-Munde-Straße 6
6410 Telfs
Tel.: +43 5262 62337
Öffnungszeiten: 05.00 – 10.00 Uhr

E-Mail: baeckerei.waldhart(at)telfs.com