Tiroler BäckerInnen

Alexandra Rangger
26.06.2019

Bäckermeisterinnen in Tirol: Es lässt sich vereinbaren

Aktuell stehen insgesamt acht Tiroler Bäckermeisterinnen in ihren eigenen Betrieben im Einsatz – sie haben sich ihren individuellen Weg von der Lehrausbildung bis zur Meisterprüfung, von beruflichen Ambitionen bis hin zu familiären Zielen mit viel Verbundenheit zum alten Bäckerhandwerk erarbeitet. Vier Bäckerinnen gaben Einblick in den Beruf und seine Herausforderungen.

In Tirol gibt es 129 handwerkliche Bäcker und 42 Lehrlinge, die derzeit in Ausbildung stehen. Der Lehrberuf weckt mittlerweile verstärkt auch das Interesse von Mädchen und Frauen, die der traditionellen Tätigkeit, die durchaus noch als Männerdomäne gilt, ambitioniert entgegentreten.
Wir haben uns mit vier Bäckermeisterinnen unterhalten. Dabei erzählten sie uns, wie die Vereinbarkeit des Bäckerberufes mit der Familie funktioniert, woher ihr Berufswunsch kam, welche Herausforderungen ihre Tätigkeit mit sich bringen und warum sich nach wie vor weniger Frauen als Männer für diesen Berufsweg entscheiden.

Judith Höck – Höck’s Brotkörbl in Igls

„Der Umgang mit Brot hat einen meditativen Charakter.“

Judith Höck ist 36 Jahre alt und das Bäckerhandwerk erlernte sie im elterlichen Betrieb. Ab 2001 führte sie mit Vater Willi die Bäckerei in Igls, seit 2003 ist sie Bäckermeisterin und seit 2009 leitet sie das Geschäft gemeinsam mit ihrem Mann. Judith Höck hat sich sehr bewusst für den Beruf entschieden: „Ich habe mir den Betrieb so modelliert, dass er sich mit meinen Vorstellungen perfekt vereinbaren lässt“. Die Herausforderung bezieht sich auch auf ihre zwei Kinder im Alter von drei und zwölf Jahren, die am Arbeitsrhythmus der Mutter durchaus positiv teilnehmen. Mit Herz und Leidenschaft beschreibt die Bäckermeisterin ihre Herangehensweise. Die nächtliche Ruhe beim Herstellen des Brotes und der Umgang mit den kostbaren Rohstoffen haben für sie meditativen Charakter. Fantasievoll und kreativ lässt sich die handwerkliche Qualität der Brotherstellung laut Judith Höck sehr individuell umsetzen. Die etwas rauen Bedingungen ist sie von klein auf gewöhnt, die Regelmäßigkeit der Nachtarbeit lässt auch gut nutzbare Freiräume während des Tages gestalten, die ausgleichen und Kraft geben. Für die Bäckermeisterin sind die durch persönlichen Einsatz erreichten Erfolgserlebnisse und das zunehmend steigende Ansehen der hochwertig hergestellten Erzeugnisse ausreichend Motivation, um in ihrem Beruf erfüllt und positiv in die Zukunft zu blicken.

Rosa Mair –Bäckerei Bucher in Axams

„Das familiäre Netzwerk stärkt mich in meiner Tätigkeit.“

Die Bäckerei Bucher wurde 1967 von Rosa Mairs Vater gegründet. Nach Lehre und ständiger Tätigkeit im elterlichen Betrieb übernahm sie das Unternehmen 2006 mit 36 Jahren. Die Backstube samt Hauptgeschäft und zwei Filialen führt die Bäckermeisterin mit flexiblem Arbeitseinsatz. Die zwei Kinder, mittlerweile erwachsen und selbst im Betrieb tätig, ließen sich dank des Familienunternehmens gut mit den Aufgaben vereinbaren. Für Rosa Mair war durch das Aufwachsen im Betrieb der Eltern die Berufswahl naheliegend. „Für eine Frau ist der Beruf der Bäckerin vorwiegend interessant, wenn sie im eigenen Betrieb tätig ist und durch ein familiäres Netzwerk unterstützt wird“, erklärt Rosa Mair.

Marion Erhart-Kröll – Bäckerei Kröll in Innsbruck

„Ich sah es als Chance, weibliche Führungsqualität sichtbar zu machen.“

Für Marion Erhart-Kröll war der elterliche Betrieb, den vorher schon die Großeltern führten, bereits als Kind der große Anreiz für die eigene Berufswahl. Auf Wunsch des Großvaters erfolgte der Einstieg jedoch zuerst als Konditorin – er wollte seiner Enkelin die harten körperlichen Anforderungen nicht zumuten. Marion Erhart-Kröll absolvierte aber kurze Zeit später die Ausbildung zur Bäckerin und die Meisterprüfung. Mit 29 Jahren übernahm sie den Betrieb, der aktuell mit acht Mitarbeitern läuft. Das Thema Familie spielt im Betrieb nach wie vor eine Rolle – mit ihrem Ehemann, der selbst Bäcker ist, hat sie zwei Kinder und auch der Sohn hat sich bereits für die berufliche Familientradition entschieden. Marion Erhart-Kröll betont, dass sich die Vereinbarkeit von Kindern und Job nur durch das gut funktionierende Netzwerk umsetzen ließ. Die Arbeit in der Backstube stuft sie auch trotz vieler technischer Erleichterungen nach wie vor als hart und anstrengend ein. Der Großteil ihrer heutigen Tätigkeit findet im Geschäft statt, das zur Bäckerei gehört. An ihre Anfänge und die Kraftprobe, sich als Frau beweisen zu müssen, erinnert sich die Bäckermeisterin noch gut, sie betont aber, dass dies auch in anderen Branchen notwendig war und noch immer ist. Sie hat es jedoch als große Chance empfunden, durch den eigenen Betrieb weibliche Führungsqualitäten und Stärken sichtbar aufzuzeigen, erfolgreich umzusetzen und dementsprechend Wertschätzung zu erreichen.

Daniela Danler – Denifl Brot in Fulpmes

„Die Arbeitsabläufe sind heute körperlich leichter zu bewältigen.“

Dass sie den elterlichen Betrieb übernehmen wird, war für Daniela Danler vorgezeichnet. Im Alter von zwanzig Jahren bestand die heute 42-Jährige die Meisterprüfung als Konditorin. Seit 2013 führt sie das Unternehmen mit rund 20 Angestellten. Der Betrieb mit Bäckerei, Konditorei, Handel, Café und insgesamt drei Standorten erforderte von Anbeginn den intensiven Einstieg in viele Aufgabenbereiche. Arbeiten und Wohnen im gleichen Haus erleichterte ihr auch das Zeitmanagement als Mutter von zwei Kindern. Mittlerweile hat Daniela Danler die Backstube mit dem Büro getauscht und widmet sich vorwiegend den organisatorischen Aufgaben, die in der Betriebsführung notwendig sind. Im Rückblick auf die bisherigen Arbeitsjahre stuft die sie den Job als hart und fordernd ein. Die größte Herausforderung stellt dabei wohl die Arbeitszeit dar, die eine komplette Umstellung des Lebensrhythmus bedingt. Eine Tatsache, die auch die gute Bezahlung nicht immer aufwiegt. Vieles hat sich verbessert und die schweren Arbeitsabläufe sind körperlich leichter zu bewältigen. Daniela Danler sieht aber besonders die Problematik für Frauen mit Kindern noch deutlich. Der Einstieg in die Lehre funktioniert, aber noch sei es schwierig, Frauen im Bäckerberuf auf eine gesamte Lebensarbeitszeit zu halten.

Moderne Entwicklung eines traditionellen Berufsbildes

Die Wertschätzung des Berufsbildes und die Wahrnehmung des Brotes als hochwertiges Lebensmittel, das mit viel Wissen und handwerklicher Tradition hergestellt wird, überzeugen heute mehr Frauen, sich dem Beruf als Bäckerin zu stellen, als noch vor zehn Jahren. Ein sichtbares Zeichen für diesen erfreulichen Trend wurde nun auch mit der Titulierung der Online-Plattform www.tiroler-baeckerinnen.at gesetzt, die Frauen und Männer in ihrer Namensgebung bewusst gleichstellt.