Tiroler BäckerInnen

03.12.2018

Das Moschen Zelten-Geheimnis

Momentaufnahme: Dienstag, 20.11.18 – 21.30 Uhr. Ein bitterkalter Novemberabend in Innsbruck. Im Stadtteil Saggen „nimmt der Tag sei End´und die Nacht beginnt“. Für Bäckermeister Klaus Moschen und sein Team startet genau jetzt eine arbeitsreiche Nacht in der Schillerstraße 1. Das Licht geht an im kombinierten Bäcker- und Konditoreibetrieb. In zwei Stunden verbreitet sich der Duft von herzhaftem Brot und Gebäck in der Traditionsbäckerei Moschen. Pünktlich ab Allerseelen mischt sich eine fruchtig-frische Note darunter. Die besondere Spezialität des Hauses wird produziert: Es ist Zeltenzeit.

Rituell bestimmte Zubereitung

Seinen Ursprung findet das Festtagsgebäck in der ländlichen Bevölkerung Tirols. Und auch heute noch backen viele Bauernfamilien ihren „Familienzelten“ nach alt überlieferten Geheimrezepten. Unterschiedliche Zutaten spiegeln dabei regionale Gegebenheiten wider. So überzeugt der reichhaltige Bozner Zelten mit einem extra Anteil an (Süd-)Früchten, während die Nordtiroler Variante vermehrt mit heimischem Trocken-Obst punktet.

Auf den Inhalt kommt es an

In früheren Jahrhunderten verkörperte das Weihnachtsbrot zusätzlich den sozialen Stand der jeweiligen Familie. Die Zutatenliste für den „Herrenzelten“ gestaltete sich demnach weitaus umfangreicher als die Schmalspurvariante für Mägde und Knechte. „Der hohe Fruchtanteil von 70 Prozent ist auf jeden Fall mitverantwortlich für die besondere Note des klassischen Tiroler Zeltens. Hinein kommen Datteln, Feigen, Pflaumen, Birnen, Rosinen, Haselnüsse, Walnüsse, Aranzini und Zitronat. Verfeinert mit weihnachtlichen Gewürzen wie Kümmel, Anis, Nelken, Zimt, Kakao und einem speziellen Zeltengewürz. Nur mit einem „Dampfl“ gebunden (Anm.: Mischung aus Mehl, Germ und Milch), ist der Zelten gut haltbar und bleibt lange frisch und saftig“, erklärt Klaus Moschen sein Rezept.

Bis Weihnachten erhältlich…

In vielen Gegenden Tirols wurde die Produktion traditionell in der Thomasnacht (20. Dezember, die längste Nacht des Jahres) mit der Zubereitung des Sauerteiges gestartet. Frisch gebacken am Thomastag (21. Dezember, kürzester Tag des Jahres) und drei Mal „beräuchert“ kamen mit dem Heiligen Abend, dem Stephanitag, Silvester, dem Dreikönigs- und dem Sebastianitag nur fünf tief im Brauchtum verankerte Termine zum rituellen Zelten-Anschneiden zur Wahl. Heute dürfen sich Kunden der Bäckerei Moschen und vielen anderen Tiroler Bäckereien glücklich schätzen: Bis Weihnachten gibt’s mehrmals pro Woche herrlich duftendes Früchtebrot. Viele Unternehmen haben den Zelten zusätzlich als hochwertiges Dankeschön für ihre Kunden entdeckt und machen einen erheblichen Teil der Gesamtverkaufsmenge aus.

Fruchtiger Verkaufsschlager

Neben verschiedenen Kekssorten, Lebkuchen und Stollen hat es das traditionelle schwarze Früchtebrot den vorwiegend privaten Kunden der drei Innsbrucker Bäckereifilialen von Moschen besonders angetan. Stolze 1.000 kg wandern pro Saison über den Ladentisch. Tendenz steigend. Denn das Bewusstsein für Qualitätshandwerk „wie´s früher war“, wächst. „Seit mehr als fünf Jahrzehnten stellen wir unseren Zelten nach demselben Rezept her. Diese kontinuierliche Arbeit für den guten Geschmack wissen unsere zahlreichen Stammkunden sehr zu schätzen und lassen sich von uns immer wieder aufs Neue auf die stillste Zeit des Jahres einstimmen“, erklärt Ursula Moschen, die das Familienunternehmen gemeinsam mit ihrem Bruder führt und sich vorwiegend um den Verkauf der vielseitigen Köstlichkeiten kümmert.

Traditionelles Bäckerhandwerk seit 1965

Klar, dass auch die Bäckerfamilie sich den Genuss der hauseigenen Spezialität nicht entgehen lässt: „Ich persönlich genieße meinen Zelten am liebsten mit Butter und einer Tasse Schwarztee, wie wir es früher auch zuhause gemacht haben“, berichtet Ursula Moschen aus den vorweihnachtlichen Gewohnheiten der seit mehr als 53 Jahren tätigen Bäckerdynastie. Übrigens: Auch abseits adventlicher Genüsse ist die Innsbrucker Bäckerei längst kein Geheimtipp mehr. Besonders beliebt ist das hauseigene Natursauerteigbrot. Rustikal-herzhaft im Geschmack durchläuft der Teig einen Zyklus von 24 Stunden, ehe er gebacken und zum Verkauf angeboten wird. Für glückliche Naschkatzen sorgen außerdem das hochwertige Dinkel-Sortiment sowie verschiedene Torten und Schnitten.

Bäckerei Moschen KG

Geschäftsführer: Ursula und Klaus Moschen 
Anzahl Mitarbeiter: 19
Filialen: 3

Zentrale:
Schillerstraße 1, 6020 Innsbruck
Telefon: +43 512 57 18 93
Öffnungszeiten: Mo – Fr: 06.15 – 12.30 Uhr, 14.30 Uhr – 18.00 Uhr, Sa: 06:15 – 12.00 Uhr

Boznerplatz 1
Telefon: +43 512 56 39 71
Öffnungszeiten: Mo – Fr: 06.15 – 18.00 Uhr, Sa: 07.30 – 12.00 Uhr

Pradlerstraße 34
Telefon: 0512 36 14 72
Öffnungszeiten: Mo – Fr: 06.15 – 12.30 Uhr, 15.00 – 18.00 Uhr, Sa: 06.15 – 12.00 Uhr

Email: info(at)moschen-baeckerei.com
Website: moschen-baeckerei.com