Tiroler BäckerInnen

Angelika Haselwanter
12.09.2019

Gesunde Pause für zarte Gaumen

Die langen Sommerferien sind vorbei und die Kleinsten starten mit viel Energie ins neue Kindergarten- bzw. Schuljahr. Eine der gar nicht so wenigen Alltags-Challenges für Eltern ist es, die wahlweise quietschbunten oder lässig in Alu-Optik gehaltenen Jausenboxen mit schmackhaften und obendrein gesunden Inhalten für ihre kleinen Helden zu befüllen.

Prinzipiell gilt: Kinder essen und trinken viel sinnlicher als wir Erwachsenen. Sie wollen hören, sehen, riechen, schmecken und fühlen, was auf den Tisch bzw. in die Jausenbox kommt. Nicht nur der Geschmack, auch das Mundgefühl ist wichtig. Knuspert, flutscht und knistert es so richtig zwischen den Zähnen, stehen die Chancen für positive Geschmackerlebnisse gut. Gleichzeitig sollte Essen möglichst einfach sein. Und: „Je häufiger Kinder bei der Zubereitung ihres Pausen-Snacks mitwirken und im wahrsten Sinne des Wortes Berührungsängste verlieren, umso eher werden sie die Mahlzeit mit Leidenschaft verzehren“, erklärt die erfahrene Innsbrucker Diätologin Edburg Edlinger.

„Gejausnet“ wird idealerweise zwei Mal pro Tag.

Kreativer (Brot-)Genuss

Anstelle eines herkömmlichen Jausenbrotes könnte es einmal eine gemeinsam hergestellte Tomaten-Mozzarellakugerl-Basilikum-Brot-Schlange oder ein freches Trauben-Käse-Brot-Bärchen sein. Für Begeisterung sorgen mit Keksausstechern selbst kreierte Häppchen aus Schinken, Karotten, Paprika, Gurken oder Käse. „Je mehr Auswahl Sie bieten, desto kreativer werden die Kombinationen. Für uns Erwachsene passt so manches vielleicht nicht zusammen, aber den Kids schmeckt‘s“, gibt Edlinger ihre Expertise weiter. „Gejausnet“ wird idealerweise zwei Mal pro Tag. „Je aktiver der Mensch und je höher der Energiebedarf ist, umso eher empfehlen wir Diätologen fünf Mahlzeiten täglich anstelle von drei oder vier. Kinder, SportlerInnen, körperlich Arbeitende, aber auch Menschen mit sehr hohem Energiebedarf sollten sich also vormittags wie nachmittags Zeit für einen Snack nehmen.

„Gemeinsame Mahlzeiten mit der ganzen Familie wirken sich positiv auf das kindliche Essverhalten aus.“

Gemeinsam statt einsam

Was gegessen wird, hängt stark von individuellen Vorlieben ab. Während für manche ein Stück Obst oder ein Joghurt ausreichend ist, haben andere Lust auf etwas Handfestes wie ein Brot mit Belag und buntem Gemüse. Das Brot kann mit Ei, Käse, Frischkäse, Topfenaufstrichen oder veganen Aufstrichen wie Hummus (Kichererbsenpüree), Aufstrich aus Bohnen oder Nussmus beliebig verfeinert werden. Schinken und Wurst sollten eine genussvolle Ausnahme sein, vor allem, wenn bereits täglich Fleisch auf den Tisch kommt. Neben der gesundheitsfördernden Wirkung zählt besonders der bewusste Genuss. Für Kinder ist es wichtig, gemeinsam mit anderen und nicht allein am Tisch zu sitzen. Bei der Kindergarten-Jause oder in der großen Pause bietet es sich an, eine feste Runde zum zweiten Frühstück einzuführen. Und auch zuhause wirken sich gemeinsame Mahlzeiten mit der ganzen Familie positiv auf das kindliche Essverhalten aus. „Wir sind nun einmal die leibhaftigen Kopiervorlagen für unsere Kinder. Sie übernehmen unsere Essgewohnheiten im positiven wie auch im negativen Sinn. Gemeinsame Mahlzeiten sollten ihren fixen Platz im Familienalltag haben“, erklärt Edlinger.

Zwischendurch etwas Süßes

Trotz allem prägen auch Werbung, MitschülerInnen und FreundInnen das Essverhalten der Heranwachsenden. Die goldene Mitte zwischen gesunden Lebensmitteln und bunten Süßigkeiten zu finden, fällt oft nicht leicht. Mit Maß und Ziel und zur rechten Zeit kann man den Wünschen des Nachwuchses schon einmal nachgeben. Ein süßer Nachtisch nach einem ausgewogenen Mittagessen schadet nicht und sorgt für strahlende Kinderaugen.

Über Edburg Edlinger

Edburg Edlinger wurde 1975 in Innsbruck geboren. Sie studierte Diätologie an der FH Gesundheit in Innsbruck (Abschluss 1997 mit ausgezeichnetem Erfolg) und wirkt als Diätologin und Ernährungsberaterin mit eigener Praxis in Innsbruck. Edlinger verfügt über zahlreiche Zusatzausbildungen im Bereich Psychologie, Didaktik, betriebliche Gesundheitsförderung, Diätetik und vieles mehr und fungiert als Gesundheitszirkelmoderatorin und externe Beraterin für Betriebliche Gesundheitsförderung. Schwerpunkte ihrer Arbeit liegen in der Behandlung von Über- und Untergewicht sowie dem Wunsch nach Muskelaufbau. Magen-Darm-Erkrankungen wie der Reizdarm, Ess- oder Wundheilungsstörungen sind weitere Probleme, die Edlinger gemeinsam mit ihren Kunden löst. Dabei werden praxis- und alltagstaugliche Ziele erarbeitet, bei denen mit möglichst wenigen Veränderungen nachhaltige Erfolge erzielt werden. 

Mehr über Edburg Edlinger: www.diaetologin.eu

Rezeptideen aus bzw. mit Brot für eine abwechslungsreiche Jause:

Flottes Mohr im Hemd
Brösel-Karotten-Schöberl
Topfenaufstriche