Auf eine Marend mit Christoph Walser

Die Wirtschaftskammer vertritt die Interessen von mehr als 50.000 Unternehmern im Land, davon 136 Bäckereibetrieben. Seit 2018 steht der 44-jährige Christoph Walser der Kammer als Präsident vor. Der Thaurer ist außerdem Bürgermeister seiner Heimatgemeinde und führt ein Transportunternehmen mit rund 60 Mitarbeitern. Im Gespräch mit den Tiroler BäckerInnen erzählt der umtriebige Allrounder über den Genuss von knusprigem Brot und die hohe Bedeutung der heimischen BäckerInnen.

„Neben ihrer Rolle als wichtige Nahversorger werten die Bäckereien das Dorfleben als sozialen Treffpunkt auf.“

Welchen Stellenwert nehmen die BäckerInnen in der Tiroler Wirtschaft ein und wie unterstützt die Wirtschaftskammer die VertreterInnen dieser Berufsgruppe?
Wie glücklicherweise alle Fachgruppen der Tiroler Wirtschaftskammer werden die Tiroler BäckerInnen von starken Persönlichkeiten aus der Branche vertreten. Sie kennen die Themen und Anliegen der Berufsgruppe und sorgen dafür, dass diese in der Kammer entsprechend wahrgenommen und behandelt werden.

Wir unterstützen den Regionalitätsgedanken, indem wir in Zusammenarbeit mit den Gemeinden die Ansiedelung von Bäckereibetrieben fördern. Neben ihrer Rolle als wichtige Nahversorger werten die Bäckereien das Dorfleben als sozialen Treffpunkt auf. Ein weiterer Kernpunkt unserer Arbeit ist das Thema Lehre. Mit unterschiedlichsten Ansätzen bemühen wir uns darum, die berufspraktische Ausbildung wieder attraktiver zu machen.

„Frisches Brot gehört wie der Tourismus zu Tirol.“

Wie sehen Sie die Chancen auf eine nachhaltige Zukunft der Tiroler BäckerInnen in Hinblick auf die Vielzahl an Möglichkeiten für den Konsumenten, günstig Brot zu kaufen?
In den letzten Jahren hat sich ein verstärktes Bewusstsein der Tirolerinnen und Tiroler für regionale Produkte entwickelt. Frisches Brot gehört wie der Tourismus zu Tirol. Gastronomie- und Hotellerie-Betriebe setzen verstärkt auf ehrlich produzierte Brotprodukte vom Fachmann. Die hohe Qualität der Bäcker-Erzeugnisse wissen auch immer mehr Gäste zu schätzen und geben mit ihrem Einkauf wichtige Impulse zum nachhaltigen Erfolg der Tiroler BäckerInnen.

Der aktuelle Fachkräftemangel macht auch vor dem Bäckerberuf nicht Halt. Welche Maßnahmen sind hier geplant?
Von Seiten der Wirtschaftskammer wurden in Zusammenarbeit mit den Sozialpartnern und dem Land Tirol vor allem im letzten Jahr viele Initiativen gestartet, um den Lehrberuf so positiv zu positionieren, wie er es verdient. Seit Dezember 2019 kümmert sich ein eigener Lehrlingskoordinator auf politischer Funktionärsebene darum, alle Aktionen zum Thema Lehre im Haus zu koordinieren. Dazu gehören Lehrlingswettbewerbe, Lehrabschlussprüfungen, verschiedene Kampagnen, aber auch die verstärkte Zusammenarbeit mit Schulen. Wir möchten die verschiedenen Möglichkeiten, die sich durch einen Lehrberuf eröffnen, aufzeigen und vermitteln, dass jeder, der eine Lehre erfolgreich absolviert, stolz auf sich sein kann.

„Unternehmern kann ich empfehlen, selbst Fachkräfte auszubilden.“

Was raten Sie Unternehmern auf der Suche nach qualifizierten MitarbeiterInnen?
Die Beschäftigung in Tirol ist sehr gut, es sind nur wenig qualifizierte Arbeitskräfte verfügbar. Die Rot-Weiß-Rot-Karte (Anm.: berechtigt qualifizierte Arbeitskräfte aus Drittstaaten dazu, sich befristet und zur Beschäftigung bei einem/einer bestimmten ArbeitgeberIn in Österreich zu leben und zu arbeiten) unterstützt zwar dabei, Spitzen abzudecken, der akute Fachkräftemangel wird dadurch aber nicht abgedeckt. Unternehmern kann ich deshalb nur empfehlen, selbst Fachkräfte auszubilden. Man hat die Möglichkeit, Schwerpunkte in der Ausbildung zu setzen und wirkt so am ehesten Personalengpässen entgegen.

Wie kann man den Lehrberuf Ihrer Meinung nach attraktiver gestalten?
Viele Eltern haben Angst, dass sich ihr Kind mit einem Lehrberuf nicht ausreichend qualifizieren kann. Darum möchten wir die berufspraktische Ausbildung bis ganz nach oben führen. Das bedeutet, dass es zukünftig zum Master oder Doktor gleichgestellte Ausbildungsmodelle für Lehrberufe geben soll. Zusätzlich möchten wir Maturanten und Studienabgänger abholen und ihnen den Lehrberuf als interessante Alternative mit verkürzter Ausbildungsdauer vorstellen.

Warum sollte ein junger Mensch heute einen Lehrberuf wählen?
Es gibt ganz unterschiedliche Typen von Menschen. Die einen sind praktisch, die einen eher theoretisch veranlagt. Mit unseren Lehrlingsinitiativen möchten wir junge Leute ansprechen, deren Stärken im Praktischen liegen. Ich selbst bin ein gutes Beispiel. In der Schule fühlte ich mich nicht gut aufgehoben. Mit meiner Entscheidung für den berufspraktischen Weg war ich vom ersten Tag an glücklich. Ich appelliere an die Eltern: Sprecht mit euren Kindern über ihre Vorlieben und Neigungen und fällt eine gemeinsame Entscheidung für einen Beruf, mit dem sich euer Nachwuchs langfristig identifizieren kann.

Wie kann man sich ein Sonntagsfrühstück bei Familie Walser vorstellen?
Der Bäcker in Thaur hat auch am Sonntag geöffnet und ich fahre gerne vorbei und decke uns mit frischem Brot ein. Ansonsten verfolgen wir kein bestimmtes Ritual. Jedes Familienmitglied steht zu einer unterschiedlichen Zeit auf und frühstückt nach seinem Rhythmus. Ich freue mich, wenn ich bei Laugenstangerl oder Kornspitz und einer Tasse Kaffee die Zeitung lesen und eine halbe Stunde Zeit für mich genießen kann.

Was wünschen Sie sich für die Tiroler BäckerInnen?

„Ich wünsche mir, dass den Tiroler BäckerInnen, die Anerkennung, die die landesweit hohe Qualität des Bäckerhandwerks verdient, täglich aufs Neue zukommt.“

Im März 2020 finden die Wirtschaftskammer-Wahlen statt. Was sind Ihre Ziele und wofür stehen Sie ein?
Wir hatten, wie auch alle anderen Sozialpartner, in der Vergangenheit eine recht geringe Wahlbeteiligung von nur rund 30 Prozent. Mein oberstes Ziel ist es daher, unsere Mitglieder zur Wahl zu motivieren, um ihre Interessensvertretung zu bestimmen. Damit ist die Basis für eine starke Legitimation in der Politik gesetzt. Ich selbst trete als Spitzenkandidat für den Wirtschaftsbund an und wünsche mir natürlich ein gutes Wahlergebnis. Ich freue mich, dass unser Angebot den Support von top ausgebildeten Mitarbeitern in allen Abteilungen wie Arbeitsrecht, Außenhandel, Wirtschaftsrecht und viele mehr, umfasst. Diese Kompetenz nach außen zu tragen und transparenter zu machen, ist ein weiteres Ziel.

„Besonders wichtig ist mir außerdem das Thema Lehre.“

Um ein realistisches Stimmungsbild der Wirtschaft aufzugreifen, habe ich rund 200 Betriebsbesuche kreuz und quer durchs Land unternommen. Dabei ist mir aufgefallen, dass viele gar nicht über alle Angebote der Wirtschaftskammer Bescheid wissen. Diese Erkenntnis hat uns dazu bewegt, das kürzlich erschienene „Handbuch des Unternehmens“ herauszugeben. Hier kann man nachlesen, welche Leistungen Kammermitglieder in Anspruch nehmen können. Besonders wichtig ist mir außerdem das Thema Lehre. Neben vielen weiteren Projekten betreiben wir gemeinsam mit dem Land Tirol, der Arbeiterkammer und der Industriellenvereinigung eine Fachkräfteplattform. Über diese wird im kommenden Oktober beispielsweise der erste Lehrlingsball als Zeichen der Wertschätzung organisiert.

Christoph Walser im Wordrap

Laugenstangerl oder Salzstangerl?
Laugenstangerl

Ein Ort ohne Bäckermeister ist…
ein verlassener Ort

Heute gibt´s 136 Bäcker in Tirol. 2030?
Ich bin optimistisch und sage: wir steigern uns auf 156 Betriebe.

Kaffee oder Tee?
Kaffee

Die beste Tageszeit für Brot?
Der Morgen.

Das Gespräch mit Christoph Walser führte Angelika Haselwanter, verantwortliche Redakteurin der Tiroler BäckerInnen. Vielen Dank an die Bäckerei Moschen, die den Korb mit frischem Gebäck zur Verfügung gestellt hat.