Tiroler BäckerInnen

Michaela Plattner
28.08.2020

Türkischer Brotgenuss, made in Innsbruck

Baklava, Börek und Kadayıf: Städtenamen, Inseln oder vielleicht doch etwas, das man essen kann? Wir lüften das Geheimnis und begeben uns auf eine kulinarische Reise in den Süden und Südosten Europas – ohne das Land zu verlassen.

Wer in Innsbruck die Museumsstraße entlang spaziert oder radelt, kommt nicht daran vorbei, einen Stopp bei Hausnummer 5 zu machen. Wenn es nicht die Optik des Ladens ist, dann ist es der durch die geöffnete Tür strömende Duft, der neugierig auf mehr macht. Der Geruch nach frischem Gebäck, geschmolzenem Käse, einem Gewürz, dessen Name einem auf der Zunge liegt aber einfach nicht einfallen will. Und ehe man sich versieht, steigt man die Stufen rauf und steht in der neuen Filiale der Bäckerei Aydin.

Hier gefällts mir, hier bleibe ich ein bisschen länger

Eine acht Meter lange Vitrine eröffnet den Blick auf das umfangreiche Angebot der türkischen Bäckerei. An den zahlreichen Tischen machen es sich Familien in den modernen Sesseln bequem. Junge Menschen tippen in ihre Notebooks und genießen dabei Tee oder Kaffee. Ein Eyecatcher ist auf jeden Fall die grüne Oase mitten im Raum. Die von Sitzbänken umrundete Pflanzeninsel verbreitet ein angenehmes Flair. Eins ist klar: Hier wurden keine Mühen und Ideen gescheut, um den Gästen einen komfortablen Aufenthalt im Café zu bieten.

Das bestätigt Hakan Aydin, Initiator des Familienbetriebs: „Eigentlich hätte es im Frühjahr 2020 eine große Eröffnungsfeier geben sollen. Nach monatelanger Arbeit an unserem zweiten Innsbrucker Standort haben wir uns schon sehr darauf gefreut. Dann kam Corona.“ Aber davon ließ sich das mittlerweile 20-köpfige Team nicht unterkriegen. Das Bäckercafé hat geöffnet und freut sich über jeden Besucher – über die Stammgäste aus der Zentrale in der Andreas-Hofer-Straße oder über neue Gesichter, die die Backwaren aufmerksam inspizieren und sich beraten lassen.

Bakla – was?

Vor vier Jahren startete die aus Salzburg stammende Familie Aydin die Mission, auch die Tirolerinnen und Tiroler von traditionellen türkischen Gebäckspezialitäten zu überzeugen. Was im Nachbar-Bundesland schon länger bekannt war und gut ankam, war für viele Innsbrucker absolutes Neuland. „Bakla – was?“ oder „Was, es gibt koane Semmel?“ bekam Hakan nicht nur einmal zu hören. Doch davon ließ sich der erfahrene Geschäftsmann nicht einschüchtern. Sein Rezept: geduldig sein, zuhören, das Gespräch mit den Leuten suchen. Und siehe da: Mittlerweile ist der Name Aydin den Innsbruckern ein Begriff. Für viele gehört es zur täglichen Routine, auf dem Weg ins Büro noch schnell einen Sesamring zu kaufen.

Jetzt aber zu den Brot- und Gebäckspezialitäten:

Über 70 Produkte hat die Bäckerei Aydin im Sortiment. Darunter viele süße Leckereien, wie Kekse und Torten, aber auch pikantes Gebäck in allen Variationen. Diese Basics sollte man kennen:

Baklava: Hierbei handelt es sich wohl um die bekannteste Süßigkeit aus dem Nahen Osten und der Balkanhalbinsel. Blätterteig, gefüllt mit gehackten Mandeln, Walnüssen oder Pistazien, wird nach dem Backen in Sirup eingelegt oder damit begossen und anschließend in die typische Rautenform geschnitten.

Börek: Im deutschsprachigen Raum würde man „Strudel“ dazu sagen. Der traditionelle Yufka-Teig wird mit Kartoffeln, Käse und/oder Spinat gefüllt. Übrigens wird in der Türkei in erster Linie würzig gefrühstückt: Tomaten, Oliven, Eier und Linsen sind weitere Zutaten, die gerne zum Einsatz kommen.

Simit: Sesamring, manche würden es vielleicht auch Bagel nennen - ein ringförmiges Hefeteiggebäck, das in Sesamkörnern gewälzt wird.

Und dann wären da noch Kadayıf, Somun, Pide, Acma … Am besten überzeugt man sich vor Ort von den unterschiedlichen Köstlichkeiten und findet so sein persönliches Lieblingsgebäck.

Ein Stück Heimat, eine genussvolle Reise, eine Erfahrung

In die Bäckerei Aydin verschlägt es überwiegend Leute, die ihre Wurzeln in der Türkei oder den Balkanländern haben. Mit dem Bissen in ein traditionelles Gebäck und einem Schluck Schwarztee rückt die Heimat ein Stückchen näher, manchmal werden sogar Kindheitserinnerungen geweckt. Auf einen Kaffee und einen Snack schauen aber auch gerne mal junge Menschen, hauptsächlich Studierende, vorbei. Sie wissen die Bäckerei als einen Ort des Austauschs, Lernens und Verweilens zu schätzen – übrigens äußerst wichtige Bestandteile der türkischen Kultur, wie Hakan erklärt.

Tipp für Neugierige: In Zeiten wie diesen ist ein Besuch in der Bäckerei Aydin perfekt, um ein bisschen Urlaubsfeeling abzubekommen. Falls man heuer nicht verreisen konnte, nimmt einen der türkische Bäcker mit auf einen kulinarischen Ausflug in den Süd(-osten) von Europa.

Bäckerei Aydin

Andreas-Hofer-Straße 17, 6020 Innsbruck

Museumstraße 5, 6020 Innsbruck

Telefon: +43 512 552162

www.aydin-baeckerei.at

Öffnungszeiten:

Täglich von 07 bis 19 Uhr, auch an Sonn- und Feiertagen